Vor ein paar Tagen wurde ich mal wieder etwas gefragt, über das ich sehr erstaunt war. „Ob man jeden Tag in den Stall muss“, war die durchaus ernstgemeinte Frage eines Außenstehenden. Nicht-Reiter sind immer wieder erstaunt, was für Arbeit ein Pferd macht. Wie viel Zeit und Geld es kostet. Und Nerven.

Daraufhin habe ich mir mal Gedanken gemacht, was es noch so alles gibt, das gesagt werden soll. Here we go:

1. Ein Pony ist kein Fohlen.

Erst ab einer Größe von 1,48m ist ein Pferd ein Pferd. Kleinere Exemplare dieser Art nennt man Pony. Unabhängig vom Alter.

Ein Fohlen ein noch sehr junges Pferd, genauso wie ein junger Mensch, bzw. ein Kind kein Erwachsener ist.

2. Den Pferden auf der Sommerweide werden nicht die Augen verbunden.

Das, was manche Pferde am Kopf tragen, sind sogenannte Fliegenmasken. Sie sollen die Augen und Ohren der Pferde vor lästigen Flugviechern schützen. Pferde können damit sehr gut sehen und hören.

Fliegenmaske

3. Die Pferde, die flach in der warmen Sommersonne liegen, sind nicht tot.

Sie schlafen.

4. Du kannst nicht auf jedes Pferd einen Sattel legen und es reiten.

Genau wie bei uns Menschen gibt es auf bei Tieren verschiedenen Lebensphasen. Manche Pferde sind so jung, dass sie noch nicht einmal zur Schule gehen. Auch, wenn sie (für den Laien) schon erwachsen aussehen.

Manche sind krank (und dürfen trotzdem auf die Weide, nicht jedes kranke Tier muss eingesperrt werden). Manche sind schon im Rentenalter und können deswegen nicht (mehr) geritten werden.

Und manche werden ihr Leben lang keine Reitpferde sein.

5. Pferde haben Hufe auch ohne Hufeisen.

Pferdehufe sind angewachsen. Die kann man nicht abnehmen. Ohne Huf kein Pferd, lautet ein in der Pferdewelt zu recht verbreiteter Spruch.

Das, was man abnehmen kann, sind Hufeisen. Hufeisen dienen dem Schutz vor Abrieb der Hufe auf hartem Boden. Alle 6 bis 8 Wochen sollten sie erneuert werden.

Achja, Nägel in den Huf hauen, tut dem Pferd nicht weh. Es ist wie bei uns, wenn die Fingernägel bearbeitet werden.

6. Man darf fremde Pferde nicht einfach füttern! Niemals!

Menschen, insbesondere Frauen haben einen Fütterungszwang. Alles, was süß aussieht, kriegt was zu fressen. Sei es der fremde Hund beim Spaziergang, der seinen Kopf so schön schieflegen kann. Mit Dackelblick und so. Oder das Pferd auf der Weide. Das kommt doch extra an den Zaun. Besonders intensiv wird in Begleitung der eigenen Kinder und Enkelkinder geschaut, ob nicht noch trockenes Brot in den Taschen zu finden ist. Verbotsschilder – teils sogar mit Begründung! – werden gekonnt ignoriert. So ein bisschen Gras oder Heu kann den Tieren doch sicher auch nicht schaden.

DOCH!!

Auch bei Pferden gibt nicht ersichtliche Krankheiten und Allergien. Bei manch einer kann etwas zu viel Gras sehr schwere Folgen haben. Bis der Besitzer kommt, liegt das Pferd dann schon eine ganze Weile mit Bauchweh auf der Weide – oft das Todesurteil.

Oder die Pferde fangen an, sich zu streiten, weil jeder das beste Stückchen haben will. Da kann ein (Kinder-) Finger selbst schonmal im Maul eines futterneidischen Pferdes landen.

Egal aus welchem Grund, man füttert keine Tiere ohne Erlaubnis!!

Es scheint nicht bekannt, dass das Füttern teuer werden kann. Wenn ein Pferd aufgrund einer solchen Fütterung erkrankt oder stirbt, muss die Person, die das Tier gefüttert hat, unter Umständen Schadensersatz leisten. In einem vom Oberlandesgericht Karlsruhe entschiedenen Fall kosteten den Beklagten einige Handvoll Heu mehrere tausend Euro. Mehr darüber hier: Pferd mit Heu totgefüttert – Stallbesucher muss Schadensersatz zahlen

Pferd füttern

7. Ja, es ist schwer, ein Pferd zu reiten. Nein, es macht nicht die ganze Arbeit und man sitzt nicht einfach nur drauf.

Wer mit Pferden harmonisch arbeiten möchte, sollte zunächst an sich selber arbeiten. Reiten ist schliesslich Sport. Wer etwas anderes behauptet, reitet nicht richtig und kümmert sich nicht richtig um sein Pferd.

Schon vor dem Aufsitzen ist Reiten harte Arbeit. Der Weg zum Pferd, das am liebsten ganz hinten am Ende der Weide steht (das tun Pferde immer!), gleicht einem 30minütigen Spaziergang an frischer Luft. Boxen ausmisten ist Krafttraining für Arme und Rücken. Bodenarbeit stärkt die Kondition (wer es richtig macht, tanzt mit seinem Pferd). Ein Sattel wiegt schnell mal 8 Kilo, ein Westernsattel sogar bis zu 20 Kilo. Alleine vom Sitzen auf dem Pferd bekommt der Anfänger so einen derben Muskelkater, dass er die nächsten Tage kaum gehen kann. Es werden plötzlich Muskeln genutzt, von denen man nicht ahnte, dass es sie gibt.

Auf dem Pferd sorgen die Rücken- und Bauchmuskeln für eine bestimmte Körperhaltung, der Reiter muss insgesamt locker in den Bewegungen des Pferdes mitschwingen (vom Gleichgewicht ganz zu schweigen), die Beine an Ort und Stelle halten oder auf bestimmte Weise bewegen. Beim Leichttraben hebt der Reiter sich aus dem Sattel und setzt sich wieder. Immer im Takt des Pferdes auf – ab – auf – ab – auf – ab. Das muss nicht nur koordiniert, sondern auch durchgehalten werden.

8. Nur weil ein Pferd männlich ist, ist es nicht gleich ein Hengst.

9. Nicht jedes weiße Pferd ist eine Stute und nicht jedes schwarze Pferd ein Hengst.

Wenn doch, was sind dann schwarz-weiße Schecken??

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10. Im echten Leben wiehern und schnauben Pferde nicht so viel wie in Filmen.

Die Kommunikation von Pferden läuft hauptsächlich über Mimik (Ohrenspiel, Gesichtsausdruck) und Gestik (Körpersprache). Besonders die Ohrenhaltung gibt Aufschluss über das Innenleben der Pferde. Selbst Schmerzen ertragen sie stumm.

Unsere Hauspferde leben seit Jahrhunderten eng mit uns Menschen zusammen, es wurde nur mit sehr freundlichen und menschenbezogenen Tieren gezüchtet. So kann es vorkommen, dass ein Pferd seinen vertrauten Menschen zur Begrüßung anbrummelt. Pferde können sogar menschliche Gesichter lesen. Sie haben zudem eine deutlich umfangreichreichere Mimik als bisher angenommen, das haben britische Forscher in einer recht neuen Studie herausgefunden. Besonders interessant ist hierbei, dass die einzelnen Gesichtsausdrücke denen von Menschen stark ähneln.

Wildpferde dagegen waren und sind viel stiller. Wiehern würde Feinde über weite Entfernung auf verletzte, sehr junge oder alte Tiere aufmerksam machen.

11. Ein Pferd wird dich nicht automatisch treten, nur weil du hinter ihm entlang gehst.

Pferde haben fast eine Rundumsicht. Sie müssen den Kopf nicht drehen, um zu sehen, was neben ihnen passiert. Sie sehen zwar nicht besonders scharf, dennoch bemerken sie jede kleine Bewegung, da sie alles vergrößert wahrnehmen. Nur genau hinter ihnen und direkt vor der Stirn sehen sie nichts.

Wer gerade kein Pferdeauge sehen kann, steht im toten Winkel des Pferdes. Generell sollte man sich ruhig und langsam nähern. Es gibt Zeichen, an denen du erkennen kannst, ob dich das Pferd bemerkt hat, zum Beispiel die Körperhaltung und die Stellung der Ohren. Wenn ein Pferd weiß, dass du hinter ihm bist, wird es nicht gleich wie wild drauflos schlagen.

12. Nur, weil du ein guter Reiter bist, heißt es nicht, dass du keinen Trainer brauchst.

Hast du schonmal einen Fussballer sagen hören, dass er nicht mehr trainiert, weil er Profi ist? Oder einen Musiker, der sein Instrument nur noch für große Auftritte in die Hand nimmt, weil er schon perfekt spielt? Ich auch nicht.

Und so ist das auch im Reitsport. Ein Teamsport übrigens, bei dem auch das Pferd regelmäßig Schulung braucht.

13. Ein Pony für seine Kinder in den Hinterhof zu stellen, ist keine gute Idee.

Pferde sind Herdentiere. Keine Rasenmäher und erst recht kein Spielzeug. Schon gleich drei Dinge, die oft grundfalsch laufen und für gefährliche Situationen sorgen können.

Ein Pferd alleine zu halten, ist tierschutzwidrig. Ein Pferd oder Pony braucht ein Tier seiner Art. Keinen Esel und keine Ziege. Auch als Rasenmäher eignen sich insbesondere Ponys nur bedingt. Schnell werden sie zu dick und können durch das im Gras enthaltene Fruktan (eine Zuckerart) sehr schmerzhafte Hufrehe bekommen. Kommt es so weit, dürfen sie unter Umständen niemals wieder Gras fressen, auch nicht in geringen Mengen.

Als Spielzeug taugen die oftmals sehr intelligenten und arbeitswilligen Ponys ohnehin nicht. Gerne wird die Erziehung auf die leichte Schulter genommen, es sind ja nur Ponys. Aber auch sie brauchen Aufmerksamkeit, eine Bezugsperson mit Fachkenntnis und wollen mental sowie körperlich gefordert und gefördert werden. Für Zirkuslektionen und Kutschefahren eignen sie sich besonders. Nur dann können Kinder viel Spaß mit ihnen haben.

Einen Wallach musst du fragen,
einen Hengst musst du bitten
und mit einer Stute musst du diskutieren.Aber bete, wenn es ein Pony ist.

14. Nur, weil ein Mensch auf dem Pferd sitzt, heißt es nicht, dass immer alles unter Kontrolle ist. Fahre langsam und mit Abstand am Pferd vorbei, es könnt sich erschrecken.

Pferde sind Fluchttiere. Das bedeutet, dass sie davonlaufen, wenn sie es mit der Angst bekommen. Das kann schonmal durch Panik in der Windschutzscheibe deines Autos enden. Zudem müssen auch Pferde von grundauf lernen, wie sie sich in Straßenverkehr und Gelände zu verhalten haben. Bis dahin ist es ein langer Weg und hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Es sind schliesslich Lebewesen.

Was wolltest du schon immer mal loswerden? Welche Frage haben dir Nicht-Pferdemenschen gestellt, über die du dich gewundert hast?

Schreib mir doch bitte gerne einen Kommentar. 🙂